im Rahmen des Projektes Schriftspracherwerb gehörloser Menschen zur Förderung inklusiver Teilhabe am Arbeitsmarkt

Einführung in die Deutsche Gebärdensprache (DGS) (Teil 3/4)

In den ersten beiden Teilen (Teil 1, Teil 2) dieser Blogreihe wurde gezeigt, wie Angaben zum Namen und Wohnort in DGS gemacht werden können. Um den Bereich ’sich vorstellen‘ zu vervollständigen, erklärt Ihnen der heutige Blogbeitrag, wie Sie Ihr Alter einem Gesprächspartner mitteilen können.

Nach dem Alter fragen

Das Alter wird durch die Fragestellung „Du wie alt?“ erfragt:

Wie alt bist du?

In diesem Fall ist die Fragegebärde „wie“ mit dem Wort „alt“ verschmolzen. Das bedeutet das Fragewort „wie“ wird nicht gesondert und nicht wie üblich am Satzende ausgeführt. Wie bei allen Fragen muss auch bei dieser auf die Mimik geachtet werden. Da es sich um eine Frage handelt, werden die Augenbrauen nach oben gezogen.

Die Frage nach dem Alter kann zum Beispiel mit „Ich 35 Jahre alt“ beantwortet werden:

Ich bin 35 Jahre alt.

Bei diesem Aussagesatz sind zwei Besonderheiten zu berücksichtigen:

  1. Ähnlich wie bei der Frage sind hier die Wörter „Jahre“ und „alt“ miteinander verschmolzen. Das Wort „Jahre“ wird in diesem Fall ausschließlich über das Mundbild wiedergeben, während für „alt“ die entsprechende Gebärde ausgeführt wird.

  2. Die zweite Besonderheit ist, dass in dem DGS-Satz das Prädikat „bin“ nicht enthalten ist. Das liegt daran, dass es in der DGS für die Verben „haben“, „sein“ und „werden“ keine entsprechenden Gebärden gibt. Demnach können diese Verben nicht wie üblich am Satzende ausgeführt werden. Infolgedessen gibt es in derartigen Fällen im DGS-Satz kein Prädikat.

Drei Fakten über die Deutsche Gebärdensprache

Neben dem Lernen der ersten Gebärden, möchten wir Sie über einige Missverständnisse bei der Gebärdensprache aufklären. Deshalb folgen nun drei interessante Fakten über die Gebärdensprache.

1

Dass Gebärdensprache eine Sprache ist, die deutsche Wörter eins zu eins übersetzt und durch entsprechende Gebärden sichtbar macht, ist ein großer Irrtum. Gebärdensprache ist eine visuelle Sprache mit einer eigenständigen Grammatik und einem spezifischen Lexikon.

2

Die Auffassung, dass Gebärdensprache universell ist und alle Gehörlosen die gleiche Gebärdensprache verwenden, ist ebenfalls ein großer Irrtum. Ebenso wie Lautsprachen haben sich auch Gebärdensprachen unabhängig voneinander entwickelt. Dadurch gibt es viele unterschiedliche Gebärdensprachen auf der Welt, wie zum Beispiel Deutsche Gebärdensprache (DGS), American Sign Language (ASL) oder Lengua de Signos Española (LSE). Aufgrund der unabhängigen Entwicklungen gibt es nicht nur verschiedene Gebärdensprachen, sondern auch wie bei Lautsprachen innerhalb der einzelnen Sprachen Dialekte.

3

Im Jahr 2002 wurde die Gebärdensprache im Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGB §6) offiziell als Amtssprache anerkannt. In der Geschichte der Gehörlosen gilt dieses Ereignis als ein Meilenstein, da Gehörlose seitdem ein Recht darauf haben, die DGS zu benutzen und Gebärdensprachdolmetscher an ihrer Seite zu haben.

Falls Sie nun lernen möchten, Ihr eigenes Alter in Gebärden auszudrücken, finden Sie weiterführende Informationen und Gebärden in den Materialien zu diesem Blogeintrag. Dort werden Zahlen und Grundrechenarten thematisiert. Probieren Sie doch einmal selbst aus, eine einfache Rechnung wie „1 + 2 = 3“ zu gebärden!


Quellen
Videos
Katrin Mrohs